S 'neue alte' Kauflüüte Restaurant

Eigentlich wollte ich das Kaufleuten Restaurant ‘nur’ für meine Business Lunch Kolumne im nächsten LAWSTYLE, dem Anwaltsmagazin, testen. Eine eher konservative Angelegenheit also. Dass der Lunch mit einem Besuch von mir im Kochtopf endete war nicht geplant - ich dachte es würde eher trocken bleiben. 

Noch vor einem Jahr war es auch eine eher leere Szene im Kaufleuten Restaurant. Mit asiatisch inspirierter Karte, blauem Brot und dunklen grossen Tellern wollte man etwas Design & Moderne in die Räumlichkeit bringen. Farbige Blumen vor kargen Wänden - unvorteilhaft offene Raumgestaltung. Die hohen Decken verstärkten den Effekt. Das Essen fand ich okay, die Präsentation auch - das Team immer sehr freundlich. Aber es fehlte Charme, Atmosphäre und Vertrautheit.

Nun siehts wieder anders aus im Kaufleuten Restaurant. Fotos an der einen Wand, ein Weinregal gefüllt mit bekannten Namen wie zb. der stadtbeliebte Aalto an der anderen. Klar, jeder kann einer der populärsten Rotweine an die Wand stellen, die weite Welt bereisen muss man für diesen Tropfen nicht, aber nicht jeder tut es. Nicht jeder bekennt sich einfach zu dem was funktioniert und gefragt ist. Auch bei der Karte findet man wieder die zeitlosen Klassiker wie zum Beispiel das Wiener Schnitzel mit wahlweise Pommes oder Gurkensalat. Vorbei sind die Sushi und Asianfusion Zeiten im Kaufleuten. Altmodisch ist die Karte trotzdem nicht; so gibt es auch einen Quinoasalat mit Orangenfilets und Avocado als Vorspeise. Fast schon für mich zu gesund. Auch saisonale Gerichte, Tagesspezialitäten und gesunde Klassiker wie den Siedfleischteller finden ihren Platz. Langweilig wird einem aber auch beim herkömmlichen nicht. Denn diese, mit ausgefallenen Dips und Details begleitet, sind keinesfalls 0815. “Das Sösseli sei das beste” meint Seigi Sterkioudis.

Ich hätte das Sösseli doch an der Seite unbeachtet stehengelassen. Doch Seigi forderte uns alle am Tisch auf zu kosten. Dieser Dialog ist wichtig, so heisst es doch GASTronomie, und nich KOCHronomie oder ESSronomie. Die Gastfreundschaft steht im Zentrum - und lässt die Gäste zurückkommen. Es geht um die Freundlichkeit, die hier nicht nur von dem Führungspersonal sondern von jedem Teammitglied ausgestrahlt und gelebt wird. Enorm welchen Unterschied das ausmacht! Ich fühle mich angenommen und ich habe das Gefühl man freut sich über meinen Besuch.

Überrascht war ich auch von der Bescheidenheit der Gastgeber, als wir zum Schluss des Lunches ein Gruppenbild für die Printausgabe machen wollten brauchte ich Überzeugungsarbeit um Seigi und Marco überhaupt ins Bild zu bekommen: “Viel wichtiger sei doch der Koch” meinten sie, und liefen in die Küche um diesen zu holen. In den Vordergrund drängen wollte sich keiner - wir sollten doch lieber in die Küche besuchen gehen. Dies liess ich mir nicht 2x sagen: ich liebe es Küchen zu besuchen. Mich interessiert immer wo das Essen war mir auf dem Teller liegt produziert wird und von wem vor allem auch. Die Küche und das Küchenteam ist bei geschlossenen Küchen sonst immer eine Blackbox. Umsomehr freute ich mich über die Gelegenheit einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und der Küche ein ‘Gesicht’ zu geben.

Das dieser Besuch mit mir im Kochtopf endet bestätigt irgendwie auch nur oben genanntes - hier hat man Spass. Hier wird zwar auf qualitativ hochstehendem Niveau geleistet - doch wenn die Küche nicht im Betrieb ist hat es auch Platz für den kleinen Scherz - oder für die Food Bloggerin im Kochtopf eben. Dieser lässt sich übrigens leicht besteigen - per Knopfdruck neigt sich der riesige Kessel und ermöglicht einfaches rein und raussteigen. Köche hätten solche Dinger auch schon für den wohlverdienten Mittagsschlaf benutzt wird erzählt. Unglaublich - Küchengeschichten eben.

Als ich nach einem kleinen Stück Cheesecake und Espresso das Restaurant verliess fragte ich mich kurz “Geht das jetzt nur mir so?” Bin ich die einzige die diesen Unterschied spürt oder zu spüren meint? Nachfragen bei meinen Freunden wiederlegen diese Zweifel schnell. “Es hätte sich geändert seit Seigi und Marco das Restaurant übernommen hätten” ist der allgemeine Tonus. Einige meinten sogar: “Es sei an Wochenend Abenden sogar ein wenig ‘die neue Schützengasse’”

Dieses Erlebniss steht für mich zur Beurteilung noch aus. Aber schön zu sehen, dass eine Institution in Zürich offenbar zurück zu ihren Wurzeln gefunden hat. Jedem der Lust auf eine gute Küche und ein wenig Spass hat, kann ich ein Besuch im 'neuen alten' KL also nur empfehlen. 

Ich freue mich auf meinen nächsten.

www.kaufleuten.ch/
Category FOOD

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