Influencer Marketing - was passiert wirklich

Blamieren & Kassieren - Wer wird hier eigentlich ausgenützt?

Dezember 2017

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2017 war es das Wort in aller Munde: ‘Influencer.’ Bewundert und verachtet zugleich, schürte der Begriff bei vielen Angst und Verunsicherung, aber auch Empörung und Missgunst. Schleichwerbung, Selbstdarstellung, viel Geld für nichts sind Worte die man  im Zusammenhang mit dem Thema hört. Die Community sei Fake, die Posts peinlich, der Erfolg nicht verdient - trotzdem aber werden die Beiträge gesehen und geteilt. Das Thema polarisiert und spaltet die Geister. Nicht überraschend, denn der neue Kommunikationszweig entstand aus dem Nichts quasi pilzartig über Nacht. Zu meiner Schulzeit waren die Sozialen Netzwerke vom Schulserver des Wirtschaftsgymnasium noch blockiert - jetzt berichten die Wirtschaftsmagazine und Nachrichtensendungen darüber. Innerhalb von 10 Jahren hat sich die Art und Weise wie wir kommunizieren und Informationen konsumieren komplett verändert. 

Früher war Werbung teuer und unzugänglich für die meisten. Heute sind die Möglichkeiten mit Influencer Marketing auf jeder Ebene sein Business zu pushen zahlreich und erschwinglich. Die Welt auf Kommunikationsebene gehört den Kreativen, den Schnelldenkern und Geschichtenerzählern. Juristische Grundlagen existieren praktisch nicht. Neue Features die von den Fast Adapters zum generieren neuer Reichweite genutzt werden können erscheinen dafür im Wochentakt. 

Wer diese neuen Möglichkeiten und Mechanismen schnell entdeckt und zu nutzen weiss, steht im Vorteil. Ebenso diejenigen die  die Bedürfnisse derCommunity kennen. Diese sind emotional: Echtheit, Glaubwürdigkeit, Unterhaltung & Information. Wer unglaubwürdig kommuniziert wirkt schnell lächerlich. Ein Post wirkt nur authentisch, wenn er authentisch IST. Der Mut zur kreativen Wahrheit wird von der Community geschätzt, der plumpe Product Placement Post hingegen wird von ihr geächtet. 

Doch wie vermeidet man diesen Fehlgriff? 

Meine Faustregel bei der Contentwahl ist einfach: Der Community sollen nur die Contents/Produkte gezeigt werden die man auch seinen Freunden und Familie empfehlen würde. 

Da dieser Grundsatz jedoch oft nicht angewendet wird reagiert die Community belächelnd bis genervt & es werden auch vermehrt Vorwürfe getätigt. Zu den gängigsten nehme ich in diesem Beitrag Stellung. 

 

‘Ein Influencer faulenzt nur und kriegt viel Geld fürs nichtstun’ ? 

Nicht wirklich. Ein Influencer der eine Community aufgebaut hat, ist relevant für Unternehmen die diese Zielgruppe erreichen möchten. Ein Influencer ist ein Mikro Unternehmen (oft eine 'One Man Show), der Influencer braucht eine Palette von Skills um funktionieren zu können. Zu diesen Skills gehören: Photographie, Fotobearbeitung, Texten, juristische Kenntnisse bei Verträgen, Buchhaltung, Kommunikation, Administration, er benötigt Branchenkenntnisse damit er von den geschulten Teams der Grosskonzernen beim Verhandeln nicht über den Tisch gezogen wird. Darüber hinaus muss er die Bedürfnisse seiner Community kennen und in seiner Kommunikation auf Social Media authentisch bleiben. Er darf sich nicht vom grossen Geld verführen lassen sondern muss an seinen Grundwerten festhalten. Er muss unbestechlich, frei von Gier agieren mit dem obersten Ziel seine Community mit relevantem Content zu füttern. Ein Influencer der nicht für seinen Content oder seine Community lebt dem stelle ich eine ungünstige Prognose.


‘Ein Influencer kassiert CHF tausende für ein Post’ ? 

Würde definitiv ein Ausnahmefall darstellen. Im Gegenteil beobachte ich vielmehr, dass die Influencer, vor allem die kleineren, von den Unternehmen über den Tisch gezogen werden. Zb. mittels ‘Wettbewerben’ bei denen als Preis angeblich eine bezahlte Jahreskooperation winken sollte werden duzende von Influencern zum posten aufgerufen. So quasi zum ‘testen’ ob sie als Influencer geeignet sind. Das Resultat? Der Brand erhält unzählige Free Posts von ambitionierten Influencern die von der grossen Kampagne träumen. Dieses Muster hat sich mehrfach gezeigt, aktuell bei Mövenpick (#mövenpickicecream) oder letztes Jahr bei Lindt. Von der Jahreskampagne bei Lindt habe ich danach jedoch nie etwas gesehen.

 

‘Abzocker Verträge’ ? 

Gibt es! Viele Firmen versuchen Influencer als ‘Brand Ambassadors’ an sich zu binden. Die Entlöhnung für deren Engagement? Niente! So zum Beispiel bei der BCAA Energiedrinks Firma NOCCO. Diese verpflichtet ihre Ambassadoren branchenexklusiv und diejenigen müssen dann auch mehrere Posts pro Monat absetzen. Die Entlöhnung? 2 Kisten NOCCO's pro Monat und gebrandetes Merchandise (also Promotionsware eigentlich). Weiter noch? Die Firma erwartet, dass die Influencer/Ambassadoren an Messen & Events aushelfen - Stundenlohn? NULL. Wer auf Instagram geht (#noccoswitzerland) sieht, dass trotz dieser Konditionen doch einige mitmachen. Was hier unter einem ‘Ambassadoren Vertrag’ deklariert wird gleicht Inhaltlich eher einem Volontariat.

 

Um solche Content/Deal fails zu vermeiden gibts ein paar persönliche Tipps: 

1) Find your Passion! Keiner will noch so ein Mode oder Food Blog abonnieren der genau gleich aussieht wie tausende andere die schon auf Pinterest und IG zu sehen sind. Es ist wie Imitationskunst. Finde deinen eigenen Stil und deine eigene Sprache: und du wirst eine Community finden die auf diese Individualität anspricht und dir treu sein wird weil sie deinen Stil nur bei dir finden. Be Unique - be yourself! 

2) Arbeite mit Agenturen. Wem das Netzwerk und die Verhandlungskenntisse fehlen sollte sich an Agenturen (zb. Kingfluencers) wenden. Die übernehmen die Verhandlungsarbeit, Kommunikation, einen Teil des administrativen Aufwandes sowie die notwendigen SVA / AHV Abgaben. Ausserdem ist eine faire Entschädigung gewährleistet. 

3) Unterschreib keine Exklusivverträge. Exklusivität beschneidet auf Social Media schlichtweg die Authentizität.

4) Don’t do it for the Money! Eine Community aufbauen & Content für sie kreieren sollte eine Leidenschaft sein. Wenns richtig gemacht wird, kommt der Antrieb von innen und bezahlte Aufträge sollten lediglich als Finanzierung dieser Tätigkeit gesehen werden. Wenn der Hauptmotivator der finanzielle grösstmögliche Erfolg ist dem prophezeihe ich das Scheitern.

5) Kommuniziere mit anderen Influencern. Der Austausch über Kollaborationsbedingungen kann sehr hilfreich sein damit du nicht abgezockt wirst. Ich führe solche Gruppen - du kannst dich gerne an mich wenden: contact@sylwina.com

6) Argumentiere mit Arbeitsaufwand. Wenn du für einen Brand im Rahmen einer Kollaboration Content kreieren sollst. Überlege dir wieviel du dafür erhalten würdest wenn du diesen Zeitaufwand bei deinem 'normalen' Job hättest? Dieser Aufwand sollte dir als Faustregel Minimum entschädigt werden plus Spesen die im Zusammenhang mit dem Post entstehen. Eine Coiffeuse schneidet deine Haare auch nicht gratis, und es gibt auch kein Probehaarschnitt. Egal wie ‘klein’ deine Reichweite ist, und egal wie tief der Betrag ist. Bestehe darauf dass dein Zeitaufwand gerecht entlöhnt wird. Erkenne den Wert deiner kreativen Arbeit und stehe dafür ein. 


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Dieser Post soll jetzt keineswegs die Branche oder Tätigkeit kritisieren. Es ist nach wie vor eine der spannendsten Bereiche mit unglaublich viel Potential, Kreativität und Menschlichkeit die darin steckt.

In diesem Sinne allen Viel Spass auf Social Media - egal ob Consumer oder Producer Seite. Und auch den Brands & Agencies die fair arbeiten wünsche ich viel Erfolg & Spass beim betreiben von spannendem & authentischem Influencer Marketing.

 

xoxo 

 

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